Wie fängt man wohl am besten einen ersten Blogbeitrag an? So ganz genau weiß ich es nicht. Ich springe einfach mal ins kalte Wasser und schaue, wohin es mich treibt.

Seit bereits über drei Jahrzehnten betreiben wir unsere familiengeführte Kampfkunstschule in Konstanz. In dieser Zeit haben wir etliche Schüler trainiert, an zahlreichen Turnieren und Shows teilgenommen, Fernsehauftritte und Interviews geführt und unseren Schülern auf Chinareisen die Kultur hinter der Kampfkunst nähergebracht. In dieser Zeit haben wir immer wieder gemerkt, dass die Art der Kommunikation sich immer wieder verändert hat. Und wir haben uns mit verändert. Mit Kommunikation ist in diesem Fall spezifisch gemeint, wie wir chinesische Kampfkunst an die Leute bringen, wie wir uns präsentieren aber auch wie wir unseren Unterricht gestalten.

Dieses mitentwickeln halte ich für einen sehr wichtigen Schritt. Tut man das nicht, verharrt man schnell in alten Denkweisen, sehnt sich immer nur „nach den alten Zeiten“ und es findet keine Weiterentwicklung statt. Und ich benutze gezielt den Begriff weiter- statt Neuentwicklung. Dazu aber in einem anderen Blogbeitrag mehr.

Tradition ist, wer hätte es gedacht, besonders für traditionelle Kampfkunstschulen ein wichtiger begriff. So sehe ich das auch für unsere Kampfkunstschule, welche ich nun in dritter Generation weiterführe. Wenn man sich aber zu sehr auf den Begriff „Tradition“ einengt, schließt man somit automatisch die Weiterentwicklung aus.

Es ist also immer ein Balance-Akt zwischen Tradition und Weiterentwicklung. Konzentriert man sich rein auf die Tradition, verliert man irgendwann den Anschluss und an Relevanz. Konzentriert man sich nur auf die Weiterentwicklung, dann verliert man irgendwann die Geschichte und den Hintergrund aus den Augen, die einen zu dem Punkt gebracht haben an dem man gerade ist.

Unsere Kampfkunstschule hat sich schon immer zwischen diesen beiden Begriffen bewegt, sowohl zu Zeiten unseres Sigong Wu Shaoquan, unserer Sifu Wu Meiling und Sibak Wu Runjin, aber auch heute unter der Leitung von mir, Pascal Rüttenauer und meiner Frau, Christina Weinbrenner.

Unsere Schule hat sich allein seit 2012 sehr verändert. Wir haben nicht nur unser Erscheinungsbild und unsere Identität neu definiert, wir haben auch unser Trainingsprogramm durch viele moderne Kenntnisse und Techniken erweitert und zeitgleich mehr zu unseren traditionellen Wurzeln gefunden. Witzigerweise ist es eben genau diese „Modernisierung“ die uns ermöglicht hat, noch mehr über unsere Tradition zu erfahren und diese nun an unsere Schüler zu bringen.

Wir kommen nun zurück zum Anfang, dass wir die Kommunikation anpassen müssen. Hierbei ist es nicht notwendig etwas komplett neues zu schaffen. Es geht lediglich darum Kontext zu schaffen, zu entmystifizieren und Punkte miteinander zu verbinden die momentan lose in der Luft schweben. Diese Punkte sind wichtig, um unseren Schülern, aber auch allen Kultur- und Kampfkunstinteressierten, einen neuen Blickwinkel zu geben und ein tieferes Verständnis für die chinesische Kampfkunst zu schaffen.

Es ist Zeit das nächste Kapitel zu schreiben.

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